Verschätzt, verkalkuliert und Fehlentscheidungen

Verschätzt, verkalkuliert und Fehlentscheidungen – auch das gehört im Leben einer Führungskraft dazu.

Als Führungskraft ist eine wichtige Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Dazu benötigt es gute Planungen. Das dies selbst bei großen Konzernchefs daneben gehen kann, dass zeigen zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit.

Da wo gehobelt wird fallen auch Späne. Ich denke diesen Satz kennt jeder nur allzu gut.

Und das gilt im Business auch.

Da wo Entscheidungen getroffen werden, werden oftmals richtige Entscheidungen getroffen, jedoch auch falsche, die gravierende Auswirkungen haben.

Hier zwei Beispiele:

Das Lufthansa-Chaos – selbst verursacht

Das Flug- und Flughafen-Chaos ist niemandem im Sommer entgangen. 

Vor kurzem bekam ich eine Kundenmail der Lufthansa, indem sich der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr für die aktuelle Flug-Situation entschuldigt.

Grund dafür ist, „dass das Hochfahren des komplexen Luftverkehrssystems von fast Null auf derzeit wieder fast 90 Prozent nicht in der Verlässlichkeit, Robustheit und Pünktlichkeit gelingt, die wir Ihnen so gerne wieder bieten möchten.“

Und weiter heißt es: „Wir können uns dafür bei Ihnen nur entschuldigen“  

Das Shopify-Desaster – überschätzt und dann verschätzt

Shopify-Chef Tobias Lütke gesteht sich ein, fälschlich auf einen beständigen E-Commerce-Boom, ausgelöst durch die Coronapandemie, gesetzt zu haben. Nun muss er rund 1.000 Mitarbeitende gehen lassen.

Die Planungen und Einschätzungen für die Zukunft waren viel zu optimistisch. Daher sind die Maßnahmen notwendig, weil „die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Einkaufsgewohnheiten aus Zeiten vor der Pandemie wieder aufnehmen und die Online-Bestellungen, die das jüngste Wachstum des Unternehmens beflügelt hatten, zurückfahren würden.“ 

Beiden Unternehmen und Entscheidern ist der weltweite Wegfall der Corona Beschränkungen, den wir uns alle ja so sehr gewünscht haben, zum Verhängnis geworden. Der eine war zu optimistisch und hat zu viel Personal eingestellt und der andere war zu pessimistisch und hat zu wenig Personal eingestellt.   

Entscheidungen der anderen bewerten ist zu einfach

Ich möchte die jeweiligen Entscheidungen nicht bewerten, weil ich dazu viel zu wenig Hintergründe habe. Jetzt zu sagen: „Das hätte man doch anders entscheiden können“, das ist viel zu einfach , denn rückbetrachtet ist das immer leichter gesagt als getan.

Keiner von uns kann in die Glaskugel blicken und die Zukunft voraussagen. Was können Sie jedoch tun, um das Risiko von Fehlentscheidungen als Führungskraft zu vermeiden?

Die folgenden Punkte sind für Sie als Führungskraft wichtig

  • Keine Entscheidungen treffen ist auch keine Option.
  • Viele Führungskräfte planen zu wenig oder nehmen sich dafür nicht die notwendige Zeit. Viele planen den Urlaub besser, als die eigene Unternehmens- oder Personalplanung. Nehmen Sie sich dafür bitte ausreichend Zeit.
  • Die erst beste Option zu wählen ist keine gute Idee . Es ist wichtig mehrer Lösungsszenarien zu entwicklen. Am besten ein optimistisches, pessimistisches und ein konservatives Planungsszenario.
  • Und wenn die Entscheidung getroffen ist? Beobachten Sie den Markt und andere Umstände regelmäßig und genau. Entscheidungen können zurückgenommen und angepasst werden. Das rechtzeitige Anpassen von Maßnahmen aufgrund von veränderten Rahmenbedingungen ist eine wichtige Eigenschaft von Führungskräften. Vielleicht hätten die Maßnahmen in den oben genannten Beispielen früher angepasst werden sollen.
  • „Woher weiß ich ,dass die Entscheidung richtig ist?“ fragte mich eine Geschäftsführerin. Die Antwort: Gar nicht. Wenn jedoch alle Fakten auf dem Tisch liegen, die verschiedenen Szenarios und Maßnahmen besprochen wurden und vor allem sich Zeit genommen wurde, um alle möglichen Optionen zu besprechen – dann kann man die für den aktuellen Zeitpunkt „richtige“ Entscheidung treffen.

Die richtige Personalplanung machen

Als ich bei Oracle Führungskraft war musste ich jedes Jahr meine Personalplanung machen. Ohne Planung wurden keine Neueinstellungen oder Gehaltsanpassungen gemacht. Viele Führungskräfte machen keine oder keine Personalplanung. Auch hier gibt es keine Glaskugel, aber mit einer ordentlichen Personalplanung, werden Führungskräfte auch nicht von Kündigungen „überrascht“. 

  • Wer könnte das Unternehmen verlassen (aus verschiedensten Gründen)? 
  • Wen brauchen wir an welcher Stelle und zu welchem Zeitpunkt? 
  • Wie lange brauchen wir für eine gute Einarbeitung?
  • Was können wir tun, damit die Mitarbeiter lange im Unternehmen bleiben?

Zeit nehmen für Planungen und Entscheidungen treffen wird leider von vielen Führungskräften nicht gemacht. Entweder ist „keine Zeit dafür“ oder sie wissen gar nicht, wie so eine Planung gemacht wird und dass dies zu Ihrem Aufgabenbereich als Führungskraft gehört.

Nehmen Sie sich Zeit, planen Sie, entscheiden Sie und passen Sie zum richtigen Zeitpunkt an.

Bleiben Sie weiter in Führung